Fun : Reingehört - Enter Shikari |
Geschrieben von NoUse am 30.10.2009 1:00:00 (3413 mal gelesen)
Reingehört - Enter ShikariDie StopHipHop.com-ProduktempfehlungenReingehört - Enter Shikari User-Meinung zum Album "Common Dreads"Unser Gast NoUse hat erneut eine interessante Plattenkritik verfasst. Diesmal stellt er die britische Band Enter Shikari vor. Ihr wisst ja: Wir haben einen Forumbereich namens "Reviews/Kritiken", in dem unsere Besucher ihre Lieblingsalben, -filme, -spiele und -bücher der breiten Öffentlichkeit vorstellen und besprechen dürfen.
Heutzutage kann man sich als Musikfreund glücklich schätzen, wenn eine Band mit neuen, unverbrauchten Ideen auftaucht. Etwa wie die vier Lümmel von ENTER SHIKARI, die ihren eigenen Musikstil erfanden und ihn "Trancecore" nannten.
Ein Name, der viele Alarmglocken schrillen lassen könnte. Durchaus berechtigt, denn die Mischung aus Metalcore, Emo-Gesang und Euro-Dance-Synthi-Sounds polarisiert: Für die einen ist der Sound von Enter Shikari die größte Zumutung seit der letzten Hasselhoff-Platte, für die anderen die musikalische Neuerfindung des Rades. Erfolge konnte der Vierer aus England trotzdem (oder gerade deshalb) feiern. Gold in der Heimat, umjubelte Auftritte, mehr als 15 Millionen Klicks bei MySpace – Enter Shikari haben mit ihrem Debut - Album "Take to the Skies" einen Siegeszug angetreten. Den müssen sie nun mit ihrer zweiten Platte fortsetzen. "Common Dreads" nennt sich das gute Stück, umfasst 15 Titel und kommt auch als Deluxe-Edition mit einer Zusatz-DVD.
Das Design wirkt reif, die Texte sogar noch reifer. Ein Schuss vor den Bug für all diejenigen, die der Musik der Truppe fehlenden Tiefgang vorgeworfen haben. In ihren teilweise nachdenklichen Lyrics setzen sich Enter Shikari diesmal mit gesellschaftskritischen Themen auseinander und arbeiten dabei gerne mal mit interessanten Vergleichen: "sometimes I do wish apples were our currency so your hoarded millions would rot in their vault" (aus "Step Up") klingt beinahe schon philosophisch, während in Passagen wie "we think we have the right to enforce democracy when we're weakening ours everyday - what hypocrisy" (aus "Fanfare For The Conscious Man") eine gewisse Bitterkeit mitschwingt. |
Doch nicht nur die Aussagen, sondern auch die Musik selbst muss stimmen. Und wie soll man den Zweitling von Enter Shikari beschreiben? Nun, stellt ihn euch einfach als eine Musik gewordene Version von Willy Wonkas Schokoladenfabrik vor: Er ist bunt, er ist laut, er ist abwechslungsreich, steckt voller Ideen und einer ungezügelten Kreativität. Mit "Common Dreads" geht die Band im Vergleich zum Debut viele Schritte weiter und schmeißt endgültig alle Konventionen über Bord. Genregrenzen? Vergiss es! Die Verrückten machen nur das, was sie wollen – und das macht jede Menge Spaß.
Wie schon auf "Take to the Skies" fällt der gesangliche Part äußerst abwechslungsreich aus. Rou Reynolds' Bandbreite reicht von tiefem Core-Gebrülle über weinerlichen Emo-Gesang und sehnsüchtigen Textstellen bis zu einem Sprechgesang, der an Bands wie The Streets erinnert. Zu noch mehr Bandbreite tragen die restlichen Mitglieder bei, die gerne mal im Chorus, mal einzeln, mal dezent im Hintergrund, mal an der Kitschgrenze kratzend im Vordergrund und an vielen anderen Stellen ihr gesangliches Talent unter Beweis stellen.
Der Gesang verhält sich im Vergleich zur Musik allerdings noch beinahe konventionell. Die stilistische Breite reicht von akustischen Parts ("Juggernauts", "Gap In The Fence") über den Einsatz von Blasinstrumenten ("Wall") sogar hin zu komplett elektronischen Stücken, die mal an billigen Trance, mal an House, mal an Drum'n'Bass erinnern. Überhaupt treten die elektronischen Elemente deutlich stärker in den Vordergrund der musikalischen Wundertüte, wie zum Beispiel im hektischen "Zzzonked". Da werden Breakdowns eingestreut und das Tempo variiert, dass es eine wahre Freude ist. Die Band prügelt sich duch die dreieinhalb Minuten dieses Songs wie ihre Landsmänner The Prodigy - nur in hart. Schließlich mündet das Lied in einem extrem harten Elektro-Geballer. Das gefällt sicherlich nicht jedem, hebt sich aber vom Altbekanntem ab.
Natürlich dürfen die Gitarren nicht fehlen. Die treten zwar manchmal fast in den Hintergrund, doch in Stücken wie "Solidarity", "Step Up", "Antwerpen" oder "Hectic" treten sie gleichberechtigt mit anderen Instrumenten auf. Da darf man gerne springen, pogen und sonstige Dinge tun, denn Songs wie diese kicken ordentlich Ärsche. Doch sie überraschen auch stets mit kleinen Einfällen. In "Antwerpen" etwa darf man gepflegt zu "Nanana"-Parts mitgröhlen. "Hectic" baut geschickt Soundeffekte ein, die so klingen, als wären sie von einem Konsolenspiel der 80er Jahren geborgt. Auch "Solidarity" rockt ordentlich, doch der an einen Kirchenchor erinnernde Abschluss setzt einen interessanten Kontrapunkt zu dem akustischen Anfang des Songs.
All das stinkt jedoch im Vergleich zu dem ab, was auf Nummer Zwölf der Trackliste lauert. Wenn ihr glaubst, irrer geht's nicht mehr, dann kommt von irgendwo „The Jester“ her. Eine akustische Reizüberflutung, bei der die Sinne kapitulieren. Wer in vier Minuten fröhlichen Sprechgesang mit tiefem Gebrülle kombiniert und das musikalisch mit einer völlig irren Mischung aus metallischen Gitarren, THE PRODIGY-ähnlichem Elektrogestampfe, Tranceelementen und schließlich sogar Jazzklängen garniert, der sorgt entweder für Begeisterung oder für Grauen. Kirmestechno meets verrauchte Jazzclubs meets Pogoarie. Irre!
Doch auch wenn der Songaufbau einmal stringent klingt, überzeugt die Platte. "Gap In The Fence" beispielsweise verfügt über einen großartigen Spannungsaufbau. Was zwei Minuten lang nach einer entspannten Akustikballade klingt, steigert sich so langsam, aber sicher in ein atmosphärisches, an Bands wie Faithless erinnerndes Elektrostück, in dem in den letzten 30 Sekunden die Gitarren dröhnen. Die Zäsur erfolgt genau dann, wenn Rou feststellt: "I don't know about you but I gotta get out of here". Einer der reifsten und cleversten Songs der Band, ohne jeden Zweifel.
Natürlich überzeugen nicht alle Songs derart. "Havoc A" und "Havoc B" beispielsweise erweisen sich als ziemlich langweilige Stücke, die Atmosphäre vortäuschen wollen, aber irgendwie ohne Höhepunkte dahinplätschern. "No Sleep Tonight" besitzt zwar Ohrwurmcharakter, doch vor allem der hohe Backgroundgesang im Refrain klingt zu kitschig… was sich auch über den Abschlusstitel sagen lässt.
Dennoch: Mit "Common Dreads" legen Enter Shikari ein wundervolles Album vor, das voller Überraschungen steckt, in jedem Song teilweise extrem unerwartete Ideen aufweist und insgesamt einfach nur viel Spaß macht. Es versteht sich von selbst, dass nicht alle Songs gleich zünden, doch allein schon aufgrund der Tatsache, dass die Band so vieles ausprobiert, muss man dem Album Respekt zollen. Wer Lust hat, ein interessantes Hörerlebnis jenseits von ausgelatschten Genrepfaden zu erleben, der soll gerne mal das Werk antesten. Aber beschwert euch nachher nicht, dass man euch nicht gewarnt hätte. Die Supermoderatoren dieser Seite empfanden den Gesang als (Zitat) "Reaktion eines pubertierenden Jungen, wenn er in sein Kinderzimmer kommt und feststellt, dass seine Freundin geköpft wurde". Na ja, die Luschen vertragen eben nichts. |
Trackliste von Common Dreads:
1. - Common Dreads 2. - Solidarity 3. - Step Up 4. - Juggernauts 5. - Wall 6. - Zzzonked 7. - Havoc A 8. - No Sleep Tonight 9. - Gap In The Fence 10. - Havoc B 11. - Antwerpen 12. - The Jester 13. - Halcyon 14. - Hectic 15. - Fanfare For The Conscious Man | | 
So sieht das Album-Cover aus. |
Und hier könnt ihr euch eine Hörprobe der Band zu Gemüte führen: MySpace-Seite von Enter Shikari
Wie hat euch diese Albumbesprechung gefallen? Oder wollt ihr vielleicht selbst ein Musikwerk/Buch/Film oder Videospiel vorstellen? Versucht es in diesem Forumbereich! |
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| NoUse |
Re: Reingehört - Enter Shikari |
 Bro From Da Hood
Mitglied seit: 9.7.2005 Beiträge: 44 Wohnort:
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Danke fürs Lob. Da werd ich ganz verlegen
UNd Enter Shikari macht gute Musik....nur halt vielleicht nicht, wenn man sonst auf so böse Black Metaller steht, die auf der Bühne Ziegen schlachten oder so. Okay, das war Klischee Nummer 638.
-- 36 Crazyfists, the Misfits, Bullet For My Valentine, KoRn, Strike Anywhere, Wizo, die Ärzte, In Flames, Good Riddance, NOFX, Rise Against, Stone Sour, Soulfly, Alexisonfire, As I Lay Dying, Volbeat uvm. |
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| »30.10.2009 18:01 |
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Dem krasse Zitat (und so)
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"Ich sage dir 3 Wörter: Hau ab!" - Ein mathematisch begabter Hip-Hopper
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